HipHop und die Jugendfreizeitstätte an der Icklack, das begann mit Farid a.k.a.
Joker und seiner B-Boy Crew Old Street. In der zum Training genutzten Mehrzweckhalle
mit für die B-Boys herrvorragend geeigneten Parkett-Boden organisierte Farid auch
des öfteren Jams, bei denen gegenüber dem sonstigen Nischendasein der B-Boys immer
sehr großer Wert auf die Tänzer gelegt wurde. Leider war bei den Events immer mehr
Enthusiasmus als Professionalität am Start (nur mäßige oder zu späte Promotion,
miesester Sound ohne Monitorboxen, unfähige Mischer mit ihrem Pult hinten auf der
Bühne, so daß er vom Sound draußen nicht viel mitbekomen konnte......), so daß
meist nur sehr wenig Leute kamen, und es wurde bei den letzten von ihm durchgeführten
Veranstaltungen immer schlimmer, da dank der netten Anwohner (dazu später mehr)
Kindergeburtstagsmäßig um 23 Uhr Schluß sein mußte. Doch irgendwann hatte Farid
dann bei den HolidayVibes vom Plattenpaul im Unique - die einzige Veranstaltung,
wo damals in Düsseldorf Rap lief und man dank des Jiggy-Sounds und der uninnovativen,
da immer zu 90% identischen DJ Sets nur zähneknirschend hinging - Flyer mit, die
auf die Icklack-Halle als HipHop-Treffpunkt für Aktive aufmerksam machen sollte,
und zwar Donnerstags abends zu der Zeit als Old Street trainierte. Zeitlich war
das irgendwann Anfang 1998 oder sogar noch Ende 1997. So kam es, daß wir uns dort
auch einfanden. Wir, daß waren der Kern des heutigen Icklack-Squads, Jesen, Smax
und ich Killa Calles, sowie Samy, der Pathologe mein ehemaliger Micromania
Band-Partner.
Von Anfang an mit dabei, und daher Icklack Squad Ehrenmitglied, war Jürgen
Großpietsch, Spaß-Punk Musiker mit seiner Band die Fischgesichter, der in der
Icklack als Betreuer arbeitete und uns immer seine aus "antiken" Schätzchen
zusammengebastelte Beschallungsanlage zur Verfügung stellte, so daß wir unserer
Freestyle-Lust frönen konnten.
Mit HipHop Treff war aber sonst nicht viel los, da wir mit den Breakern meist
ziemlich alleine waren, abgesehen von sporadischen Gästen, selbst Jesen s Partner
Simmel oder Smax Kollege Play ließen sich nur eher selten blicken.
So wurde der Donnerstag abend an der Icklack zu unserer privaten Shaolin Chamber,
zum Boot Camp, Trainigslager oder wie auch immer man es nennen will, in dem die
Skillz geschärft und verfeinert wurden. Als dann Anfang `99 dann das damals
rennomierte MC-Battle in Köln-Stammheim anstand, kamen auch Simmel und Play
regelmäßig ins Boot und man spornte sich gegenseitig an, mit dem Ergebnis, daß
es auch damals schon hieß: and the winner is: Jesen. Noch erwähnen muß ich, daß
die Battles damals noch ein ganz anderes Kaliber hatten als heutzutage, zumindest
waren jede Menge in der Szene bekannte Namen mit am Start, z.B. auch Spontan,
Nesti, Radio P & Mace, O-Flow, Dike, Rasputin etc. p.p.
Die Gründung des Icklack Squads geschah dann aber erst im Sommer ´99, wichtig
waren dafür zwei Eriegnisse: zum einen lernten Jesen und ich bei einer privaten
Freestyle Aufnahmesession in Köln Pitza und auch Cyko kennen, die in Folge
irgendwann auch regelmäßig aus Köln vorbeikamen.
Zum anderen wurden die Icklack-Donnerstage langsam ein wenig voller als nur 6
bis 8 Leute, es kamen ein paar mehr vorbei, dabei auch einige die nur zuhörten
und schauten, einer von ihnen war Max a.k.a. Million heute bei Millionadi..
Max leierte eine Freestyle-Tapeaufnahme-Session bei DJ Jenz im BilkBass Studio an.
Smax & Play hatten durch ihre Band Kaelimetz schon vorher Connection zum Jenz, da
Sie bei ihm schonmal ein Demo aufgenommen hatten. An diesem Tag war auch der zu
diesem Zeitpunkt gerade nach Düsseldorf gezogene Adi mit dabei und es entstand
das "Zähe Hunde" Tape in einer Auflage von ca. 100 Stück, was es aber auch
irgendwie von Düsseldorf bis nach Saarbrücken schaffte (wie wir bei der Beats
aus der Bude 5 Session durch ein paar Jungs aus der Gegend erstaunt feststellen
durften) und, wer weiß, vielleicht sogar noch darüber hinaus.
Die Folge dieses Tapes war, daß sich Million und Adi zu Millionadi
zusammenschlossen.
Im Sommer ´99 wurde es an der Icklack immer voller. Die Neußer Kollegen aus dem
Kaelimetz Umfeld kommen häufig mit vorbei, zu dieser Zeit stieß auch Ruki als
neuer DJ von Kaelimetz dazu, und sein älterer Bruder Micha a.k.a. Mik 4040 wurde
in Folge dessen irgendwann zum Kaelimetz Beat-Lieferant. An einem Donnerstag im
Sommer ´99 sind dann auch die spanischen Writer-Kollegen der Neuß/Düsseldorfer
von den Los Jinetes de la Apocalypsis zu Gast, zudem B-Boy-Bekannte von Farid
aus Norwegen, ein paar Leute aus Mühlheim, die auch tanzen nebenbei aber auch
auf französisch rappen. Draußen wurdden ein paar Pieces gemalt, in der Halle
wrid getanzt und man hörte Raps auf Deutsch, Spanisch, Französisch und der einen
oder anderen Sprache mehr.
Nachdem der Pathologe in diesem Sommer aus dem Urlaub zurückkam, verkündete er
aus bis heute nicht verständlich Motiven, die Einstellung jeglicher musikalischer
Zusammenarbeit mit uns, und seitdem ward von ihm nicht mehr viel gehört.
Ironischerweise passierte dieses gerade zu dem Zeitpunkt als das Micromania Lied
"Resümee" neben Freestyles von Jesen auf dem Wortgewand Sampler rauskommen soll
und ein Micromania Demo bis aufs Mischen fertig geworden war. Diese Geschichte
warf mich um ein dreiviertel Jahr zurück, bis dann im Sommer 2000, die Zeit
schleppt sich nochmals dahin, das "Es kann nur Einen geben" Tape von mir, Killa
Calles, kam. Aber langsam. Da die veschiedenen Rap Crews aus der Icklack immer
öfter zusammen rumhingen, zwar jeder für sich sein eigenes Musik-Projekt ob Solo
oder Gruppe am Start hatte, schweißte sich nach und nach eine Posse zusammen,
das Icklack Squad, bestehend aus dem ursprünglichen Kern von Nimzwai, Kaelimetz
und Killa Calles, dazu kommen dann Millionadi und deren DJ Cebu aus Adis
Velbert-Connection, von denen einige auch häufig Donnerstags vorbeischneien.
Mit am Start ist auch DJ Jenz und sein BilkBass Studio, das die Infrastruktur
für Musikaufnahmen liefert, die als Maxis oder LPs rauskommen sollen. Ebenso die
Kölner Freestyle Faktion mit Cyko und dem überall herumstreunernden MC Pitza.
Fu von hiphop.de steht uns als Minister of Information in Promo, Grafik , Presse
und sonstigen Geschäftsdingen zur Seite unter anderem mit der Power "seiner"
web-domain. Weiterhin zum Squad gehören die B-Boys von Circle Art, bestehend aus
den Ex-Old-Streetlern Daniel & Markus, dem aus Ostdeutschland stammenden Jens und
seit kurzem auch mit 2 weiteren Mann Verstärkung. Circle Art trainiert jetzt am
Donnerstag Abend, wenn Icklack-Treff ist.
Zusammen machte man nun viele Bühnen in NRW mit Auftritten und Freestyles unsicher,
wurde einer gebookt oder eingeladen war zumeist der ganze Rest an Haufen direkt
mit am Start. Unter anderem waren wir auch zweimla im Jugendkanst an der Ulmer
Höh (ein Erlebnis für sich).
Trotzdem, oder obwohl für den wöchentlichen Freestyle-Cypher meist keine
Plattenteller am Start sind ( demnächst gibt es nach langem Bemühen, Getränkeverkauf
zu unserem Gunsten und Zuschüssen aus irgendwelchen Stadttöpfen endlich zwei 1210er)
und sonst ein Billo-Tape-Deck plus gemixter Instrumental Cassette fürs Rappen
herhalten muß, trotz eines wirklichen Ghetto-Sounds unter anderem auch wegen
eines antiken Hohner-Teils mit eingebauter aber defekter Rhythmusmaschine in der
Funktion als Verstärker, einem auch schon Ewigkeiten auf dem Buckel habenden
Yamaha Mixers, wurde der Donnerstag an der Icklack zu dem HipHop Treff in
Düsseldorf. Da es sich irgendwann rumgesprochen hatte, daß hier was ging (wir
hatten nie Flyer gemacht) sind mittlerweile auch viele Writer am Start, um sich
zu treffen und auszutauschen (wie man am Klo vor der Rennovierung gut erkennen
konnte.)
Leider sind uns die untolleranten Nachbarn eines Eigentumswohnhauses nicht gerade
wohlgesonnen, würden diese doch am liebsten die ganze Jugendfeizeitstätte dicht
macht (an dieser Stelle auch schöne Grüße an die liebe Beschwerdeführerin Frau
Nusser !), so daß auch das Ordnungsamt zum Icklack Stammgast wurde, die man, da
sonst nichts weiter vorlag, mit einem freundlichen "bis nächste Woche" wieder
verabschiedete. Stein des Anstoßes an unserem Donnerstag ist der Geräuschpegel,
der entsteht, wenn 30-40 Leute abends vor der Halle stehen, rauchen und sich
unterhalten. So wurden wir von den Nachbarn auch mit Videokameras observiert und
ich möchte nicht wissen, was diese noch so im Schilde führen.
Der Zusammenschluß zum Icklack Squad setzte endlich die nötigen Antriebsenergie
frei, so daß 2000 die ersten wirklichen Releases von uns kamen. Los ging es mit
meinem Tape im Juli. Danach folgte das Freestyle Tape "Sprechstunde Vol.1" von
Nimzwai und der in Eigenregie rausgebrachten Kaelimetz-Maxi im Spätsommer und
Herbst. Weiter ging es dann mit der Nimzwai-Maxi auf Wu-Tal Records im November
und MC Pitza auf der B-Seite einer Beats aus der Bude Maxi.
Im Mai 2001 kommt jetzt die erste Millionadi Maxi auch bei Wu-Tal raus, zwei
Tracks für eine Killa Calles Maxi sind im Kasten (wo und wann ?????) , Nimzwai
haben mit ihrer zweiten Maxi angefangen, die im Herbst kommen soll, weiterhin
in Planung ist ein Icklack Squaad Freestyle Tape und einiges mehr.
Jesen hat wie überall bekannt das "Raw Wichserie" Battle gewonnen, deswegen
werden die neuen Nimzwai Tracks auch im D&D gemischt und bei Masterdisk gemastert.
Nimzwai tritt auf dem Splash auf, wo sie mit mir auch meinen Kollabo Track
"Düsseldorfs Finest" performen werden. Ebenfalls aufm Splash ist auch Pitza,
der bei den Beats aus der Bude Allstars mitkickt. More news as the story
develops....
Die Icklack ist zur festen Institution geworden, zu der mittlerweile immer so
um die 30 bis 50 Leute vorbeischauen und das alles nur wegen Beats, open Mics
und etwas zu trinken.
Update '04:
Jedoch hat alles wohl auch mal ein Ende. Der Verfall kam schleichend und von innen
heraus (genau wie in der Alten Republik). Waren zunächst die Stammbesucher des
Jugendclubs ein Problem, da für sie Donnerstags abends nichts angeboten wurde
und sie somit gelangweilt auch in der Icklack Halle abhingen und dann schnell
dazu verleitet waren, Scheiße zu bauen. Was leider auch schnell dazu führte,
daß immer weniger Mädels aufgrund des ständigen primitivsten Anmachgedisses
fehlblieben. Daher nahmen Simmel, Fu und Calles im Herbst 2003 die Sache selbst
in die Hand. Wir führten den Icklack Cypher in Eigenregie weiter, so daß
es keine direkte Veranstaltung der Freizeitstätte mehr war. Um das deutlich zu
machen, wurde ein Mindestverzehreintritt von 2 Euro eingeführt, für den es zwei
o,5er Bier oder Cola gab, so daß nur noch die wirklich Rap-Interessierten
angesprochen wurden. Der Start verlief sehr gut und es kam ein Teil des alten
Vibes zurück. Dann kam das neue Jahr in dem alles AGGRRO wurde. Ich will hier nur
ein paar der Dinge aufzählen die gelaufen sind, jedoch muß ich betonen, daß all
diese Dinge von den HipHop-Leuten selbst verursacht wurden und ich das immer
noch als krassen Disrespekt gegenüber uns und all der Arbeit, die wir in dieses
jahrelang so einmalige Projekt gesteckt haben, ansehe. Das war der Grund warum wir
im Februar gesagt haben, wir brechen es ab, uns reicht es. Als einzelne
Vorkommnisse betrachtet, wäre alles nicht so schlimm gewesen, doch die Häufung
auf nur 5 Abende, was sonst in drei Jahren passiert wäre, hat uns echt den Rest
gegeben. So wurde sich auf dem Klo Schore gezogen, dabei der
Plastikklopapierhalter weggekokelt, eine der Gips-Innenwände großflächig
eingetreten, trotz Tagwand wurde eine frischgestrichene Tür dick mit Dose und
Fatcap betagged, Leute wurden handgreiflich oder wollten, obwohl Sie Scheiße
gebaut haben, einfach nicht gehen, etc. pp., ich habe gar keine Lust mehr alles
im Einzelnen aufzuzählen.
ICKLACK R.I.P., aber der Squad lebt weiter!
Es gab Versuche Donnerstags weiterhin einen Freestyle Cypher am Leben zu halten,
zunächst "IM TREFF" an der Suitbertus Straße in Düsseldorf-Bilk, danach im Moonlight
auf der Kölnerstraße, jedoch hielten sie sich jeweils nicht lange.
Copyright 2006 by Killa Calles. Killa Calles, killacalles.com and killacalles.de are trademarks of Christian Calles.
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